Steingarts Morning Briefing

Beiträge 1 - 10 von 21
  • Steingarts Morning Briefing

    sorros, 11.06.2018 12:13
    #1
    Steingarts "Morning Briefing ist wieder da. Großartig!
    Guten Morgen,
    im normalen Leben wäre die Geschichte von Angela Merkel und Donald Trump schnell erzählt. Eine Frau, deren Dachstube geräumig ausgebaut ist, trifft auf einen Geschäftemacher mit Wolfsinstinkt. Mit einem einzigen Satz aus dem Arsenal des Botho Strauß könnte sie ihn niederstrecken: „Ich dachte mit dir ein geistiges Duell zu führen. Aber ich sehe, du bist unbewaffnet.“
    Doch Trump und Merkel begegnen sich nicht im normalen Leben, sondern im Paralleluniversum der Politik. Und dort wird nach ihren Regeln gesprochen, aber nach seinen gewonnen. Zwar beherbergte sie auch gestern in ihrem Innern ein Universum der klugen Erklärungen, wie erst in Kanada und später bei Anne Will zu besichtigen war, aber im Verhältnis zu Trump hat sie ihre Außengrenze erreicht. Sie versteht alles, aber bewegt fast nichts. Sie analysiert, er handelt; sie ist kühl, er tollkühn; sie denkt, er wittert, zum Beispiel Europas Schwäche.
    „Let Trump be Trump“ hatte sein Berater Steve Bannon ihm im US-Wahlkampf geraten. Daran hält sich der Mann. Ungerührt verließ er gestern den G7-Gipfel, um aus der Air Force One heraus das von ihr und den anderen Europäern so geliebte Schluss-Communiqué zu zerreißen. Sie hatte das Bild, aber ihm gehörten die Schlagzeilen.
    Merkels Schwäche ist auch die unsere. Wir als Nation haben uns angewöhnt, ein Doppelleben zu führen. Tagsüber genießen wir die süße Frucht des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Lohntüten sind prall gefüllt, die Flure der Arbeitsämter beinahe leergefegt. Wir brauchen nur noch das Elend ringsherum auszuhalten, die erschossenen Schulkinder in Amerika und die wackeligen Flüchtlingsboote im Mittelmeer, um uns als Glückskinder der Gegenwart zu fühlen.
    Doch des Nachts schlafen wir unruhig. Viele beschleicht die düstere Ahnung, dass diese Gegenwart ihr Verfallsdatum bereits überschritten hat. Der wirtschaftliche Herkules Deutschland steht politisch als Däumling da. Und auch das Herkuleshafte unserer Volkswirtschaft zeigt Spuren der Verwitterung. In den Bilanzen von Siemens, Volkswagen, Telekom und Thyssen-Krupp wächst das Moos. Bahnbrechende Erfindungen, also solche, bei denen der Jugend das Herz rast, gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Beschwichtigungsrhetorik von der Industrie 4.0 ist der Modeschmuck unserer Zeit.
    Die einst stolze Deutsche Bank notiert an der Börse nur noch zum Schnäppchenpreis. In China zählt man schon das Kleingeld. Die letzte aufsehenerregende Erfindung deutscher Autoingenieure war die Abschaltsoftware für den Diesel. Heute muss Daimler-Chef Dieter Zetsche deshalb erneut in Berlin zum Rapport antreten. Für Vorstandsvorsitzende kann auch Nichtwissen tödlich sein.
    Deutschland spielt auf Halten, derweil Amerika mit Google und Co. die Spielregeln der neuen Zeit definiert. „Die amerikanische Innovationskraft“, sagte Merkel gestern Abend bei Anne Will, „stattet den amerikanischen Präsidenten mit großer Macht aus.“ Wenn Trump ein Überbauphänomen ist, um mit Karl Marx zu sprechen, sind Apple, Facebook und Amazon die Basis. Und Merkels Machtlosigkeit findet demnach in der althergebrachten deutschen Industriestruktur ihre Entsprechung. Könnten die TV-Verantwortlichen sich noch an ihren Auftrag zur Aufklärung erinnern, müsste Heidi Klums Castingshow zwar nicht abgesetzt, wohl aber umprofiliert werden: Von Gesäß auf Grips, von Style auf Substanz. Gesucht wird doch in Wahrheit: Germany’s Next Business Model.
    Im Getöse eigener Geschäftigkeit hören wir die Sirenen nicht, die aus Amerika zu uns dringen. Der ehemalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel war es, der als einfacher Abgeordneter am vergangenen Donnerstag auf der Trauerfeier zum Gedenken an den im Schnee verschollenen Unternehmer Karl-Erivan Haub einen Ton anschlug, der uns zur Zuversicht und zum Fortschrittsdrang ermuntern sollte: „Man muss das Leben nehmen, wie es ist. Aber man darf es nicht so lassen.“
    Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne einen zuversichtlichen Start in den neuen Tag. Schön, dass wir wieder beisammen sind.
    Herzlichst grüßt Sie Ihr
  • RE: Steingarts Morning Briefing

    gruener (Luddit), 15.06.2018 03:54, Antwort auf #1
    #2

    sogleich abonniert - danke für den hinweis.

    *****

    rückblickend auf vier tage: erfrischend anders; das parallele morning briefing des handelsblatts wirkt dagegen wie kalter abgestandener kaffee am viel zu frühen morgen nach jäh unterbrochenem tiefschlaf.

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    sorros, 15.06.2018 11:25, Antwort auf #2
    #3

    sogleich abonniert - danke für den hinweis.

    *****

    rückblickend auf vier tage: erfrischend anders; das parallele morning briefing des handelsblatts wirkt dagegen wie kalter abgestandener kaffee am viel zu frühen morgen nach jäh unterbrochenem tiefschlaf.

    Stimmt!

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    sorros, 18.06.2018 13:51, Antwort auf #3
    #4

    Mal wieder viel Wahres von Gabor Steingart:
    Guten Morgen,
    Merkel und ihre Getreuen schauten gestern Abend im Kanzleramt der deutschen Nationalelf beim Verlieren zu. Vielleicht hätte umgekehrt die Truppe von Jogi Löw in der WM-Vorbereitung dem Berliner Endspiel CDU vs. CSU zuschauen sollen. Denn im Regierungsviertel wird seit Wochen rasanter, kreativer und auch härter gespielt als gestern Abend in Moskau.

    Vor allem die Sturmspitzen der CSU, Seehofer und Söder, zeigen seit Tagen deutlich mehr Torjägerqualitäten als Draxler und Reus. Andererseits konnte die Nationalelf froh sein, dass Manuel Neuer im Tor stand und nicht Angela Merkel. Denn die hätte, so spottete man gestern im Internet, in Ermangelung einer europäischen Lösung wahrscheinlich jeden reingelassen.

    Laut einer Forsa-Umfrage kommt die Große Koalition nur noch auf 46 Prozent – und besitzt damit keine Mehrheit im Lande. CDU und CSU erreichen in der Befragung zusammen 30, die Sozialdemokraten 16 Prozent. Profiteur ist die AfD, die bei 15 Prozent und damit dicht hinter der SPD liegt.

    CDU und CSU haben ein Wochenende rasender Ratlosigkeit hinter sich. Auch die nach dem Fußballspiel abgehaltene Krisensitzung brachte kein Ergebnis. Das strategische Problem: Jede lebensverlängernde Maßnahme für Merkel wirkt zeitgleich wie eine Sterbehilfe für die Union, denn das Problem wird so nicht gelöst, nur vertagt.


    Merkels Uhr hat trotz des Ultimatums, das die CSU ihr heute gewähren will, zu ticken begonnen. In der Kulisse herrscht bereits Unruhe, denn einige der heutigen Komparsen sehnen sich danach, endlich selbst in die Hauptrolle zu schlüpfen. Gleich hinterm Vorhang steht CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich tatsächlich für kanzlerfähig hält. Dabei ist sie eher Sekretärin als General. Merkel und sie bewegen die Lippen synchron. Ein Merkel-Avatar wird für die Zeit danach mit Sicherheit nicht gebraucht.


    Söder ist von anderem Kaliber. Er ist zwar in der falschen Partei, aber er hat bewiesen, dass er in den zwei wichtigsten politischen Disziplinen, Finanzen und Intrige, sein Handwerk versteht. Als bayerischer Finanzminister wirkte er überzeugend. Und die Abschiebung des Horst Seehofer in das sichere Drittland Berlin war ein Meisterstück der Verschlagenheit, was wir ihm hier nicht vorwerfen wollen. Wer es als Kanzler später mit Putin, Trump und Erdogan aufnehmen will, muss aus Hartholz geschnitzt sein. Die Weichhölzer, das kann man an der Zitterpappel, aber auch an Außenminister Heiko Maas beobachten, sind zu elastisch. Einer wie Trump macht Zahnstocher aus ihnen.

    Für den Übergang kommt als Merkel-Nachfolger einzig ein Mann wie Wolfgang Schäuble in Betracht, auf den sich die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU innerhalb weniger Minuten verständigen könnten. Er ist seit Langem schon kein Partei-, sondern ein Staatsmann. Sollte man sein Lebenswerk mit nur einem Wort würdigen, wäre es dieses: Respekt.

    Kein anderer verkörpert wie er Wahrhaftigkeit, Stehvermögen und eine Kurskorrektur in der Flüchtlings- wie in der Europolitik. Obwohl er aus einer anderen Epoche stammt, trifft er den Ton unserer Zeit. Die Deutschen wollen gute Europäer sein, aber nicht der große Geldautomat. Sie haben längst ihren Frieden mit dem Euro gemacht, aber das bedeutet nicht, dass dieser vorsätzlich weich werden darf. Die Deutschen sind weltoffen, aber nicht naiv. Sie bieten den in Not Geratenen Hilfe an, aber eben nur denen. Die Mehrzahl der Deutschen ist nicht rechts und nicht links, sondern vernünftig. Sie liebt die staatliche Ordnung und hasst es, wenn das Gemeinwesen einen Kontrollverlust erleidet und die regierenden Politiker sich als unfähig erweisen, darüber mit dem Volk zu sprechen.

    Schäuble ist ein Mann des Volkes, der so denkt und fühlt wie die Mehrheit hierzulande. Sein Vorteil: Er redet nicht nur, er liest auch. Europa trägt er nicht auf den Lippen, sondern tief in seiner Seele. Er besitzt etwas, was man nicht bei Amazon kaufen kann: Haltung. Er ist die Alternative zur Alternativlosigkeit. Mit ihm an der Spitze könnten die Deutschen wieder besser schlafen. Und wenn Sie jetzt glauben, ich hätte den Mann über Gebühr gelobt, dann irren Sie. Ich habe ihn nicht gelobt. Ich habe ihn nur beschrieben.

    https://www.gaborsteingart.com/

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    drui (MdPB), 19.06.2018 01:13, Antwort auf #4
    #5

    Söder ist von anderem Kaliber. Er ist zwar in der falschen Partei, aber er hat bewiesen, dass er in den zwei wichtigsten politischen Disziplinen, Finanzen und Intrige, sein Handwerk versteht. Als bayerischer Finanzminister wirkte er überzeugend.

    Söder war nur überzeugend als Selbstdarsteller, ansonsten hat er noch in jedem Ministerium versagt.

    Ich bin immer wieder überrascht, wie bei jedem Streit Merkel als Verliererin angesehen wird, sie aber die Gewinner stets politisch überlebt.

    Schon bei der Bundestagswahl war nicht die SPD die größte Verliererin, sondern die CSU. Und jetzt? Vor der aufgesetzten Raserei und dem fremdenfeindlichen Wahnsinn der CSU stand die Partei bei 42% in Bayern, die AFD bei 13%. Glaubt jemand, dass die CSU jetzt Prozente von der AFD zurückgewinnt? Dass bei den 31% der Union bundesweit nur die CDU abgebaut hat? Und selbst wenn die CSU jetzt a la Trump Kinder von den Eltern trennt und in Käfige steckt, jeder weiss, dass die AFD das fremdenfeindliche Original ist und sich die CSU in opportunistischem Wahlkampf versucht. Bei Landesthemen schießt sie ein Eigentor nach dem anderen, deshalb müssen Weltthemen ablenken. Leider hat Söder keine eigene Armee, sonst würde die schon längst gen Preußen marschieren. Das ist keine Strategie, das ist Panik. Und nie waren die Flüchtlingszahlen seit 2014 in Deutschland und Bayern so gering wie heute.

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    Mirascael, 22.06.2018 03:28, Antwort auf #5
    #6

    Söder ist von anderem Kaliber. Er ist zwar in der falschen Partei, aber er hat bewiesen, dass er in den zwei wichtigsten politischen Disziplinen, Finanzen und Intrige, sein Handwerk versteht. Als bayerischer Finanzminister wirkte er überzeugend.

    Söder war nur überzeugend als Selbstdarsteller, ansonsten hat er noch in jedem Ministerium versagt.

    Ich bin immer wieder überrascht, wie bei jedem Streit Merkel als Verliererin angesehen wird, sie aber die Gewinner stets politisch überlebt.

    Schon bei der Bundestagswahl war nicht die SPD die größte Verliererin, sondern die CSU. Und jetzt? Vor der aufgesetzten Raserei und dem fremdenfeindlichen Wahnsinn der CSU stand die Partei bei 42% in Bayern, die AFD bei 13%. Glaubt jemand, dass die CSU jetzt Prozente von der AFD zurückgewinnt? Dass bei den 31% der Union bundesweit nur die CDU abgebaut hat? Und selbst wenn die CSU jetzt a la Trump Kinder von den Eltern trennt und in Käfige steckt, jeder weiss, dass die AFD das fremdenfeindliche Original ist und sich die CSU in opportunistischem Wahlkampf versucht. Bei Landesthemen schießt sie ein Eigentor nach dem anderen, deshalb müssen Weltthemen ablenken. Leider hat Söder keine eigene Armee, sonst würde die schon längst gen Preußen marschieren. Das ist keine Strategie, das ist Panik. Und nie waren die Flüchtlingszahlen seit 2014 in Deutschland und Bayern so gering wie heute.

    Und noch nie wurden in der Bundesrepblik soviele Leute mit dem Messer abgestochen und Frauen vergewaltigt wie heute.

    Von anderen Gewaltdelikten, Raubüberfällen, Einbrüchen und Diebstählen mal ganz abgesehen.

    Asylbewerber sind laut Kriminalitätsstatistik in den aufgeführten Kategorien ca. 50 (!) mal so tatverdächtig wie Deutsche.

    Da Du ja nicht in einem normalen Unternehmen der freien Wirtschaft arbeitest:

    Das Ausmass des Hasses gegenüber Merkel und ihre Politik ist in der arbeitenden Bevölkerung immens (wir reden hier von Leuten, die kein Problem mit ausländischen Kollegen haben). Das sind übrigens die Leute, die den ganzen Wahnsinn bezahlen dürfen und deren Kinder die potenziellen Opfer agressiver krimineller Asyltouristen - ein Grossteil dieser Menschen sind junge, meist antisemitisch und misogyn sozialisierte junge Männer mit erheblichen Gewaltpotenzial und entsprechend niedrigen Hemmschwellen für asoziales Verhalten gegenüber ihren Gastgebern - sind. Zeig mir doch mal die linksrotgrünen Politiker, die ihre Kinder in eine staatliche Schule mit hohem Aslyantenanteil schicken. Die dürftest Du an den Fingern einer Hand abzählen können - wenn es denn überhaupt welche gibt. Allein darin manifestiert sich schon die grenzenlose Verlogenheit der poltischen Asylantenlobby.

    Dass der politisch-mediale Komplex das Ausscheren aus seiner Filterblase nicht goutiert, ist klar. Da ist es schon ein Sakrileg, wenn ein Söder oder Seehofer es auch nur wagen, das anzusprechen, was der Grossteil der Bürger angesprochen wissen möchte.

    PS: Wo hast Du eigentlich den Schwachsinn mit den Käfigen her? Agitprop-Schaltkreise mal wieder abgeraucht/geschmolzen?

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    gruener (Luddit), 23.06.2018 00:43, Antwort auf #6
    #7

    die wahrheit liegt vermutlich mal wieder in der mitte irgendwo...

    ... oder, da zum titel dieses threads passend, das entsprechende zitat von steingart aus dem morning briefing vom feitag:

    ... im Zeichen der sich weiter zuspitzenden deutschen Regierungskrise wird am Wochenende ein europäischer Asylgipfel veranstaltet. Die Flüchtlingsdebatte, die Deutschland aufwühlt und spaltet, dürfte die Schlagzeilen dominieren. Sieben Anmerkungen dazu, die Ihrer eigenen Meinungsbildung dienen sollen:

    2. Nach dem großen Schub von rund 900.000 Flüchtlingen des Jahres 2015 hat sich der Zustrom nach Deutschland verringert. Derzeit sind es rund 200.000 geflüchtete Menschen pro Jahr, die hierzulande ankommen. Andererseits: Dieser Zuwachs bedeutet noch immer, dass neue Migrantenstädte dazukommen, binnen eines Jahres dreimal Marburg, zweimal Recklinghausen oder einmal Mainz.

    die erwähnung der letzten stadt ist in diesem kontext besonders amüsant, denn bekanntlich - komme da, was wolle - gilt: "mainz bleibt mainz, wie es singt und lacht". (für die kölner unter uns: jeder jeck ist von woanders und wird von uns bedingungslos akzeptiert, es sei denn, er kommt aus düsseldorf) andererseits: auch die weiteren sechs dort aufgeführten punkte regen mitunter durchaus zum nachdenken an.

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    drui (MdPB), 23.06.2018 01:17, Antwort auf #7
    #8

    2. Nach dem großen Schub von rund 900.000 Flüchtlingen des Jahres 2015 hat sich der Zustrom nach Deutschland verringert. Derzeit sind es rund 200.000 geflüchtete Menschen pro Jahr, die hierzulande ankommen. Andererseits: Dieser Zuwachs bedeutet noch immer, dass neue Migrantenstädte dazukommen, binnen eines Jahres dreimal Marburg, zweimal Recklinghausen oder einmal Mainz.

    Um genau zu sein sind es 2018 190 000 (die ersten Monate hochgerechnet), davon müsste man dann noch voraussichtlich 25000 Abschiebungen und 30 000 freiwillige Ausreisen abziehen, also wäre man bei 135 000 mehr Flüchtlingen, also nicht Mainz, sondern Ingolstadt.

    Und dann gibt es noch die Auswanderer mit deutscher Staatsangehörigkeit, 2016 waren das 280000, also mehr als Mainz: Mönchengladbach. Steingart beteiligt sich leider an unsinniger Panikmache durch Zahlen und imaginäre Migrantenstädte. Dabei ist das nicht gesund für unsere Wut- und Angstbürger, über 360 000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an Kreislaufversagen, das ist mehr als Rostock, Hoyerswerda, Mölln, Dachau, Bergen-Belsen und Flossenbürg zusammen!

    P.S: Die Krininalistätsraten sind zuletzt massiv gefallen, auch bei Morden und Gewalttaten. Bei anderen Wahnvorstellungen nenne man mir doch bitte Zahlen und Quellen. Zu Vergewaltigungen lassen sich keine Aussagen 2017 machen, da hier die Kategorien geändert wurden, das Strafrecht verschärft wurde und Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen zusammengefasst wurden.  Ausländische Tatverdächtige sind hier anteilig doppelt so häufig vertreten wie deutsche, werden aber auch seltener verurteilt.

    https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKr iminalstatistik/PKS2016/InteraktiveKarten/04VergewaltigungSexNoetigung/04_Vergew altigungSexNoetigung_node.html

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/straftaten-was-die-zahlen-der-sexualdelikte- durch-fluechtlinge-verraten-und-was-nicht-1.3671964

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    gruener (Luddit), 23.06.2018 02:36, Antwort auf #8
    #9

    2. Nach dem großen Schub von rund 900.000 Flüchtlingen des Jahres 2015 hat sich der Zustrom nach Deutschland verringert. Derzeit sind es rund 200.000 geflüchtete Menschen pro Jahr, die hierzulande ankommen. Andererseits: Dieser Zuwachs bedeutet noch immer, dass neue Migrantenstädte dazukommen, binnen eines Jahres dreimal Marburg, zweimal Recklinghausen oder einmal Mainz.

    Um genau zu sein sind es 2018 190 000 (die ersten Monate hochgerechnet), davon müsste man dann noch voraussichtlich 25000 Abschiebungen und 30 000 freiwillige Ausreisen abziehen, also wäre man bei 135 000 mehr Flüchtlingen, also nicht Mainz, sondern Ingolstadt.

    ob nun mainz oder ingolstadt ... das ist primär pseudointellektuelles geschwätz.

    auch, weil es am kern des problems vorbei geht. oder anders formuliert: bewusste täuschung! denn das thema lautete nicht: die einwohnerzahl deutschlands wächst weiterhin gravierend - was können wir (bloß) dagegen tun? daher ist die gegenrechnung derer, die (un-)freiwillig "abwandern", an dieser stelle nicht wirklich sinnstiftend.

    um es plakativer und ein wenig boshafter zu formulieren: wie viele flüchtlinge muss deutschland noch aufnehmen, damit die afd in spätestens sieben jahren endlich - und zumindest - den bundestagspräsidenten stellen kann?

    *****

    um nicht völlig missverstanden zu werden: "wir" haben - zusammen mit den bündnispartnern in nato und eu - mehr als eine ganze region in der welt bewusst und fahrlässig destablisiert. wir haben somit auch eine pflicht, flüchtlinge aus diesen regionen aufzunehmen. das vorrangige gebot der stunde wäre aber, die eigene politik zu überdenken und (radikal) zu ändern. diesbezüglich sehe ich bei keiner etablierten partei (mit ausnahme der linken - die afd ist aus meiner sicht noch nicht etabliert) konkrete ansätze. dafür aber jammern auf höchstem niveau sowie business as usual.

  • RE: Steingarts Morning Briefing

    drui (MdPB), 23.06.2018 10:18, Antwort auf #9
    #10

    "wir" haben - zusammen mit den bündnispartnern in nato und eu - mehr als eine ganze region in der welt bewusst und fahrlässig destablisiert.

    Das ist mir zu platt. Ebenso platt wie zu behaupten, Putin hätte die Region bewusst destabilisiert, und Russland ist dort die aktivste ausländische Kriegspartei, gefolgt vom Iran.

    wie viele flüchtlinge muss deutschland noch aufnehmen, damit die afd in spätestens sieben jahren endlich - und zumindest - den bundestagspräsidenten stellen kann?

    Wie viele AfD-Positionen sollen die etablierten Parteien noch übernehmen, damit die afd in spätestens sieben jahren endlich - und zumindest - den bundestagspräsidenten stellen kann?

    daher ist die gegenrechnung derer, die (un-)freiwillig "abwandern", an dieser stelle nicht wirklich sinnstiftend.

    Es geht mir darum, dass es nicht nur Zuwanderung gibt, sondern auch Abwanderung, und das dies normal ist und seit Jahrtausenden geschieht. Die Flüchtlingszahlen sind derzeit ebenfalls im Mittelfeld, historisch gesehen, und das Bild, es würde ganze Migrantenstädte von der größe Mainz "einfluten" ist Nazisprech, für das sich ein Steingart vor 10 Jahren noch geschämt hätte, aber nun ist er eben auch AfD-infiziert.

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